Ortenburg wird Bayrisch

Die nachfolgenden Grafen Johann Georg (1702 - 1725) und Graf Karl (1725 - 1776) standen bis zu ihrer Volljährigkeit jeweils unter Vormundschaft. Schließlich konnte Graf Karl Albrecht 33-jährig 1776 die Regentschaft übernehmen. Er verstarb bereits 1787, so daß der Familienbesitz erneut an einen minderjährigen Grafen, Joseph Carl, überging. Er war der letzte regierende Graf in Ortenburg. Seine Mutter, die verwitwete Gräfin Christiane Louise, führte bis zu seiner Volljährigkeit im Jahre 1801 die Regierungsgeschäfte. Obwohl sie für ihre Ortenburger Untertanen sehr viel getan hat, war sie den wechselvollen Ereignissen der von Revolution und Krieg erfüllten Zeit nicht gewachsen. Als ihr Sohn nach Erlangung der Volljährigkeit zum Regieren kam, fand er nur Not und eine Verschuldung vor, die in anbetracht der Zeitumstände kaum Hoffnung auf Besserung aufkommen lies. Von Bayerischer Seite trachtete Kurfürst Maximilian I. Josef bzw. sein Minister Graf Montgelas die territoriale Ausweitung und Abrundung Bayerns, die mit dem Reichsdeputations-Hauptschluss von 1803 so großen Gewinn gebracht hatte, fortzusetzen und im Kernraum zum Abschluss zu bringen. Von Bayerischer Seite wurde darum dem Grafen der Vorschlag gemacht, die Reichsgrafschaft mit allen Hoheitsrechten und den in Bayern liegenden Gütern und Einkünften im Tauschweg abzugeben. Sie boten ein in Oberfranken erst erworbenes Gebiet, im wesentlichen das einst dem Kloster Langheim gehörende Amt Tambach unweit von Coburg, zum Tausch an. Der Tauschvertrag kam am 14. August 1805 zustande. Graf Joseph Carl übernahm am 20. Januar 1806 die Regierung seiner neuen Grafschaft, die aber schon im Oktober des gleichen Jahres durch die Mediatisierung ihr Ende fand. Die Reichsunmittelbarkeit der Ortenburger Grafen war endgültig erloschen. Graf Joseph Carl zu Ortenburg - Tambach wurde 1812 in die Matrikel der bayerischen Grafen eingetragen und 1818 erbliches Mitglied der Kammer der Reichsräte in Bayern. Ortenburg, Wittelsbach und Bayern sind damit nach 700jahriger wechselvoller Geschichte aus einem Gegeneinander zu einem Miteinander gekommen, was allen nachkommenden Generationen zum Nutzen und Wohl gereichte.

 

Ortenburg — ein bayerischer Marktflecken. Am 12. Februar 1806 erfolgte die förmliche Übergabe der gräflichen Untertanen an die bayerische Krone. Die offizielle Übernahme der Grafschaft durch Bayern fand am 01. März auf Schloss Ortenburg statt. Georg von Annetsberger von der hohen Übernahme-Kommission, hatte Pfarrer, Ortsvorstände, Bürger und Bauern vorgeladen und sie vom abgeschlossenen Tausch der Grafschaft offiziell in Kenntnis gesetzt und sie von den dem Grafen gegenüber bestehenden Verpflichtungen förmlich entlassen. Er sicherte ihnen unbeschränkte Gewissens- und Religionsfreiheit zu und daß hergebrachte Rechte bestehen bleiben. Darauf legten alle Anwesenden den Eid auf Konig Max 1. Joseph von Bayern ab.

 

Erst am 19. Oktober 1838 ist durch königliche Verfügung die Gemeinde Ortenburg vom Landgericht Griesbach an das Landgericht Vilshofen überwiesen worden. Wie berichtet wird, war bei den Ortenburgern beim Übergang an Bayern eine gewisse Begeisterung festzustellen, aber auch etwas Wehmut. Dem König wurde ein Huldigungsgedicht dargebracht und man hoffte auf ein ähnliches Verhältnis zu ihm wie zu dem Grafen. Doch der König wohnte in München und man musste sich nun mit seinen Vertretern abfinden. Der Wegzug der Grafen brachte auch gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Am meisten in ihrer Existenz gefährdet waren die überwiegend oder zum Teil auf oder für den gräflichen Hof beschäftigten Handwerker. Sie hatten in der neuen Situation die größten Einbußen hinzunehmen. Mit der Errichtung der Gemeinde Ortenburg im Jahre 1810 gingen besondere Privilegien aus der Grafenzeit verloren. Noch Jahre nach dem Übergang der Reichsgrafschaft Ortenburg an Bayern hielten ehemalige Beamte des Hofes nach außen ihren Status aufrecht, indem sie livriert, mit dem Dreispitz am Kopf und silbernem Knauf am Stock sonntags in die Kirche gingen. Dabei wurden sie von den Bewohnern ehrerbietig gegrüßt. Die Bürger mussten sich schließlich mit der neuen Situation abfinden, wurden selbstbewusster und schon 1836 fand die erste Vereinsgründung statt , der bald viele andere folgten. Drei große Kriege haben in der Bevölkerung ihre Spuren hinterlassen. Während, und besonders nach dem letzten Weltkrieg haben viele Heimatvertriebene in Ortenburg und Umgebung ein neues Zuhause gefunden. Durch die Gebietsreform Anfang der siebziger Jahre ist die Zahl der Bewohner der Gemeinde um das Dreifache gestiegen. Obwohl das Gebiet um Ortenburg noch landwirtschaftlich geprägt ist, hat sich das Bild dieses Berufsstandes vollkommen verändert. Zukunftsweisende Industrieansiedlungen brachten hochwertige Arbeitsplatze. Heute ist Ortenburg ein aufstrebender Markt und ist stolz auf seine geschichtliche Vergangenheit.